Ein Tag ohne Uhr …

Uhrzeit

Ist das überhaupt möglich? Halte ich das einen ganzen Tag lang aus ohne Uhr? Oder bin ich bereits ein Sklave der Uhrzeit?

Ich habe die vorige Woche versucht, ohne Uhr auszukommen. Keine Armbanduhr zu tragen. Nicht auf die Anzeige am Handy zu sehen. Nicht auf die Anzeige am Computerbildschirm zu blicken.

Das Ergebnis war schockierend.

Hinweis: Dies ist ein Beitrag für die Blogparade „Ein Tag ohne Uhr“ auf conbu.ch.

 

Das Experiment: Ein Tag ohne Uhr

Gleich vorweg: Das Experiment ist gründlich in die Hose gegangen. Ich habe es keinen einzigen Tag geschafft, komplett ohne Uhr auszukommen.

Das fängt schon in der Früh an: Was tut man, wenn man um so und so viel Uhr irgendwo sein will? Also stellt man sich den Wecker um rechtzeitig aufstehen zu können.

So weit so gut. Also habe ich halt den Wecker gestellt. Aber wenigstens wollte ich dann versuchen, nicht ständig vor dem Wegfahren auf die Uhr zu starren, ob ich denn eh rechtzeitig wegfahre und nicht zu lange herumtrödle.

Das hat eine nervöse Grundstimmung bei mir ausgelöst. Bin ich noch in der Zeit? Wie spät ist es? Verdammt! Bin ich wirklich schon so abhängig von der Uhr?

Zum Schluss habe ich dann doch wieder auf die Anzeige des Handys gestarrt um sicher zu gehen, dass ich nicht zu spät wegfahre.

Als ich dann einige Zeit später in meinem Büro vor dem Computer saß, war es noch schwieriger, nicht auf die Uhr zu starren. Gerade wenn man sich darauf konzentriert, es nicht zu tun, tut man es wohl noch öfter als sonst. Außerdem ist der Blick auf die Uhr schon dermaßen konditioniert, dass ich gar nicht mehr anders kann.

Als dann die Mittagszeit näher rückte, hab ich mich ganz besonders darauf konzentriert, nicht mehr auf die Uhr zu blicken. Trotzdem hab ich mich dann natürlich ständig gefragt, wie spät es eigentlich ist? Einmal hab ich es sogar geschafft, nicht doch einen flüchtigen Blick zu riskieren.

Am Nachmittag ist es mir dann am ehesten gelungen, die Zeit zu vergessen, und einfach nur produktiv zu arbeiten. Doch als gefühlsmäßig der Feierabend näher rückte, konnte ich natürlich nicht riskieren zu lange zu arbeiten. Das verstehst du sicher :-).

Doch auch nach Feierabend daheim musste ich alles wieder perfekt timen. Schließlich war ja mein liebstes Hobby angesagt: WingTsun. Und das beginnt pünktlich um 19 Uhr 30. Im Kaffeehaus nach dem Training wollte ich dann auch nicht zu lang bleiben, weil am nächsten Tag musste ich wieder zeitig aufstehen. Also auch dort wieder drei bis fünf Blicke auf die Uhrzeit am Handy.

Also hab ich mir gedacht: Okay, wenn`s schon nicht unter der Woche funktioniert, dann wenigstens am Wochenende. Der auserwählte Tag „ohne“ Uhr war der Sonntag. Und wirklich: Wecker brauchte ich keinen. Aber sonst dasselbe Trauerspiel.

Zum Essen will man ja letztlich pünktlich sein. Dann macht man sich was für`s Kaffeehaus aus: Um 16 Uhr treffen wir uns im Cafè XY. Da kann ich nicht eine halbe Stunde zu spät erscheinen, oder?

Und da war dann noch ein Problem: Am Sonntag gehe ich regelmäßig ins Fitnessstudio trainieren. Und das sperrt halt am Sonntag bereits deutlich früher zu als unter der Woche, nämlich um 20 Uhr. Wenn man also so trainieren will, wie man sich das vorgenommen hat, dann muss man rechtzeitig hinfahren. Wie bitte schön soll das ohne Uhr gehen?

Und auch während des Trainings schaut man immer wieder mal auf die Uhr, damit man ja pünktlich genug fertig ist damit.

Tja was soll ich sagen: Das war die vergangene Woche bei mir „ohne“ Uhr. Wenn ihr glaubt, dass das alles Unfug ist, und man durchaus ohne Uhr auskommen kann, dann probiert es einfach mal aus 😉

 

Gesellschaftlicher Einfluss zu groß?

Irgendwie schockierend wo man überall die aktuelle Uhrzeit ablesen kann: Das ist mir vorher gar nicht so deutlich bewusst gewesen: Da ist mal die Armbanduhr, die Uhr am Handy, der Radiowecker, die Uhr am Computer, die Uhr im Büro, daheim in der Küche, da gibt es insgesamt vier Uhren in meinem Fitnessstudio (!!), und und und…

Da sieht man, wie viel Bedeutung unsere Gesellschaft der Zeit beimisst. Sonst gäbe es nicht so viele Uhren. Und vor allem sieht man, was der kulturelle Einfluss aus uns allen macht.

Objektiv betrachtet hätte es mir ja egal sein können. Doch durch das Aufwachsen in unserer westlichen Gesellschaft und die jahrelange Erziehung wurde aus mir jemand, der ohne Uhr nicht mehr leben kann. So scheint`s zumindest.

Doch obwohl in unserer westlichen Gesellschaft jeder seine Zeit möglichst produktiv nutzen will, klagen alle, dass sie nie genug Zeit hätten, um all das zu machen, was sie sich vorgenommen haben. Irgendwie komisch.

 

PS: Ich würde mich freuen, wenn du deine Meinung mit uns teilst, indem du hier fleißig kommentierst :-).

Foto: aboutpixel.de - Rainer Sturm
Text: Martin Grünstäudl
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6 Kommentare

Eingeordnet unter Persönliches

6 Antworten zu “Ein Tag ohne Uhr …

  1. Angelika

    Ich hätte da noch eine Idee für ein Experiment: Ein Tag ohne Handy. Das würd vielen Smartphone-Junkies vielleicht noch schwerer fallen 🙂

    • Hallo Angelika!

      Da hast du recht. Wenn man manchen so zuschaut z.B. im Kaffeehaus, dann denkt man sich wirklich, dass es ohne Handy nicht mehr geht. Da sieht man sogar oft wie sich zwei gegenüber sitzen und jeder spielt nur noch am Handy herum.

      Ich glaube ein Tag ohne Handy würde mir persönlich aber viel leichter fallen als ein Tag ohne Uhr.

      lg Martin

  2. Vielen Dank für die Teilnahme an meiner Blog-Parade. Sehr interessanter, Artikel, welchere daraus entstanden ist.
    Deine Erfahrungen zeigen genau einige Punkte auf, welche ich mit der Parade bezwecken wollte.

    Die Idee ein Tag ohne Handy ist auch gut, würde wohl einigen noch schwerer fallen…

  3. Michel

    Man könnte sogar noch einen Schritt weiter gehen. 1 Tag ohne Uhr, Handy, Internet, Computer, Fernsehen, Radio, usw. Nur die Beschäftigung mit dem eigenen Selbst. Das könnte spannend werden.

    Gruß, Michel

    PS: Martin, du bist echt kreativ und produktiv in deinen Blogbeiträgen.

  4. Hallo Michel!

    Danke! Also an Kreativität sollte es in Zukunft auch nicht mangeln. Ich habe inzwischen ca. 100 Ideen für neue Blogbeiträge gesammelt. Ob ich kontinuierlich soviele Artikel schreiben kann wie jetzt, wird sich aber erst zeigen.

    lg Martin

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