Die Entstehung von Vorurteilen zwischen Jung und Alt

Pensionskonflikt

Auf j-ana.de (Update: leider wurde dieser Blog inzwischen aufgelöst) läuft derzeit eine interessante Blogparade. Das Thema: der Generationenkonflikt. Darunter versteht man eine Konfliktsituation bzw. Auseinandersetzung zwischen zwei verschiedenen Generationen. Dieser Konflikt führt oft zu massiven Streitereien und Verstimmungen bis hin zu Altersdiskriminierungen.

Den Hauptgrund für den Generationenkonflikt sehe ich vor allem in unseren Vorurteilen begründet.

Bitte entschuldigt, dass dieser Beitrag heute etwas wissenschaftlicher geschrieben ist. Ich hoffe, er ist trotzdem interessant für euch :-).

 

Was sind Vorurteile?

Unter Vorurteilen verstehe ich vor allem angelernte negative Gefühle und Überzeugungen gegenüber bestimmten Menschen bzw. Gruppen von Menschen.

Das blöde daran ist, dass Vorurteile oft über viele Jahre bzw. Jahrzehnte angelernt wurden und somit weitgehend veränderungsresistent sind. Sie bleiben sogar meist bei angemessenen Gegenbeweisen bestehen. Vorurteile gründen sich also auf eine fehlerhafte und äußerst starre Verallgemeinerung.

Vorurteile führen im Einzelnen dazu, dass wir einen bestimmten Menschen vorschnell in eine Schublade pressen – und zwar auf Grundlage mangelhafter Informationen. Wir haben eine genaue Vorstellung davon, wie diese Art von Mensch so ist und welche Eigenschaften dieser hat. Dabei muss das überhaupt nicht der Realität entsprechen.

Ich glaube, jeder von uns hat solche Vorurteile gegenüber anderen. Manche etwas weniger, manche leider mehr. Vorureile bestehen auch zwischen Jung und Alt.

 

Wie entstehen solche Vorurteile zwischen Jung und Alt?

Für die Entstehung von Vorurteilen gibt es verschiedene Erklärungsansätze:

Konflikttheoretischer Ansatz: Laut dem konflikttheoretischen Ansatz werden Vorurteile aufgrund von Interessenskonflikten und konkurrierenden Zielen zwischen Gruppen verursacht. In diesem Fall also zwischen junger und alter Generation.

Aus zahlreichen Untersuchungen geht hervor, dass Menschen leicht dazu gebracht werden können, negative Einstellungen gegenüber Personen aufzubauen, die nicht der eigenen Gruppe angehören. Wir Menschen neigen nämlich dazu, die Welt in soziale Gruppen einzuteilen. Getrennt wird dabei nach In-Gruppen – also jene Gruppen, denen wir selbst angehören – und Out-Gruppen – also Gruppen, mit denen wir uns selbst nicht identifizieren. Dabei kommt es häufig zur so genannten In-Gruppen-Verzerrung, bei der die eigene Gruppe in punkto Fähigkeiten, Fertigkeiten sowie moralischen und charakterlichen Eigenschaften als besser gegenüber anderen Gruppen eingeschätzt wird. Der kleinste Konflikt reicht dann schon aus, um Vorurteile gegenüber den Out-Gruppen heraufzubeschwören.

Menschen werden also vor allem dann diskriminiert und mit Vorurteilen belegt, wenn zwischen der eigenen Gruppe und der Fremdgruppe starke Interessenskonflikte herrschen und die beiden Gruppen voneinander abweichende und insbesondere konkurrierende Ziele verfolgen. Als Beispiel sei hier die aktuelle Pensions-/Rentenproblematik erwähnt: Da die Bevölkerung immer älter wird, werden jene immer mehr, die nicht berufstätig sind, sondern eine Pension bzw. Rente beziehen. Finanzieren muss das die jüngere Generation – ein Umstand der Konflikte geradezu heraufbeschwört. Politik und Presse tragen sehr oft ihr übriges zu diesem Konflikt bei.

Ein Problem, das ich bei diesem Konflikt sehe, ist der Umstand, dass sich die wenigsten in die Gefühle und Denkweisen der anderen hinein versetzen können. Viele Jugendliche und auch Erwachsene nehmen an, dass andere so fühlen und denken wie sie, oder es zumindest sollten, da dies ihrer Meinung nach die einzige richtige Auslegung der Realität ist. In ihren Augen ist das auch gar keine Auslegung – es ist Realität! Niemand bedenkt, dass es die Realität niemals geben kann.

Lerntheoretischer Ansatz: Der lerntheoretische Ansatz geht davon aus, dass die soziale Realität durch Lernen und Beobachten angeeignet wird. Die Grundannahme ist nun, dass dies auf Vorurteile ebenso zutrifft wie auf alles andere auch, und somit auch Vorurteile im Laufe der Zeit gelernt werden.

Man lernt dabei von vielen unterschiedlichen Personengruppen im Laufe seines Lebens. Es sind dies die Eltern, die Schule, Lehrer, Mitschüler und Medien. Auch als Erwachsener wird man immer noch von unterschiedlichen Menschen beeinflusst. Wenn auch nicht mehr so stark wie in jungen Jahren.

Dieser Theorie entsprechend lernen wir unsere Vorurteile gegenüber anderen Personen also durch den Einfluss Gleichaltriger, durch die Erziehung daheim und in der Schule und vor allem auch durch die Medien wie Fernsehen, Radio und Zeitung. Speziell bei unserer Zeitungs(un)kultur in Österreich wohl kein Wunder. (Wenn du jetzt nicht weißt was ich meine, dann fahr mal U-Bahn in Wien und lies dieses „Täglich nichts“ das da überall herumliegt ;).)

Psychodynamischer Ansatz (ein bisschen Freud darf nicht fehlen wenn`s um Psychologie geht :-)): Der psychodynamische Ansatz geht davon aus, dass Vorurteile wichtige innerpsychische Funktionen haben. Dieser Ansatz führt die Entwicklung von Vorurteilen auf ungelöste innere Konflikte zurück, die eine Aggressionsverschiebung auf andere auslöst. Vorurteilsbehaftete Personen verdrängen also die Konflikte mit sich selbst bzw. mit der Eigengruppe und übertragen diese auf Fremdgruppen.

Man macht kurz gesagt bestimmte Personengruppen für Frustrationen verantwortlich, die man selbst erfahren hat und schreibt ihnen eine Reihe negativer Eigenschaften zu. Dieser Prozess erfolgt sehr oft unbewusst. Der betroffenen Person ist gar nicht bewusst, dass sie eine soziale Realität erschafft, um die eigenen Handlungen vor sich selbst zu rechtfertigen und schwierigen Konflikten mit sich selbst und den wahren Auslösern der Probleme aus dem Weg zu gehen (wie z.B. im Falle der Pensions- und Rentenproblematik die Politik, der nur die nächsten Wahlen wichtig sind – die ältere Generation ist wohl nicht Auslöser der Probleme).

Kognitiver Ansatz: Ähnlich wie der psychodynamische Ansatz versucht auch der kognitive Ansatz das Auftreten von Vorurteilen anhand innerpsychischer Prozesse zu erklären. Während aber der psychodynamische Ansatz davon ausgeht, dass innere Konflikte bestehen und überdies die gefühlsmäßige Dimension überwiegt, geht der kognitive Ansatz davon aus, dass Vorurteile durch eine falsche Informationsverarbeitung entstehen.

Man nimmt an, dass der Mensch zwar Informationen verarbeitet, dass aber seine Kapazitäten hierfür deutlich begrenzt sind. Daher kommt es zu einer Wahrnehmungsverzerrung und in der Folge zu einer fehlerhaften Konstruktion der Realität. Vor allem bildet der Mensch Muster der Vereinfachung, um seiner Meinung nach wichtige von unwichtigen Informationen zu unterscheiden und damit die tägliche Informationsflut in unserer heutigen reizüberfluteten Gesellschaft zu verringern.

Der Mensch erschafft hierfür vor allem Kategorien um sich besser zurecht zu finden. Allerdings beinhalten solche Kategorisierungen Wertungen, die wiederum zu Vorurteilen führen. Vor allem kommt es dabei zu einem Vergleich der Merkmale und Eigenschaften zu Personen der In-Gruppe (und zwar relativ und nicht absolut). Dies führt dann zu besagter Kategorisierung.

Wir glauben in der Folge, dass alle Personen innerhalb dieser Klasse gleiche oder zumindest ähnliche Eigenschaften haben – auch wenn es gar nicht der Realität entspricht. Demnach sind alle Alten rückständig in ihren Ansichten, kennen sich mit Computern nicht aus und sind bei der Pensions- und Rentenproblematik natürlich nur auf den eigenen Vorteil bedacht…

 

Warum schreibe ich das alles?

Ich glaube, dass wir uns bereits dann ein Stück weit ändern, wenn wir für ein Problem sensibilisiert sind. Wenn wir eine bestimmte Einstellung zu anderen Personen haben, dann sollten wir uns fragen, wieso wir diese haben? Haben wir Vorurteile, die wir nie hinterfragt haben?

Gibt es vielleicht eine brisante Konfliktsituation mit dieser anderen Gruppe? Zum Beispiel zwischen Jung und Alt? Sympathisieren wir einfach nur mit jener Gruppe, zu der wir uns selbst zählen und hinterfragen nicht die Motive und Gefühle der Fremdgruppen?

Haben wir bestimmte Einstellungen einfach nur gelernt? Vielleicht durch Medienberichterstattung? In der Schule? Haben wir Ansichten unserer besten Freunde unreflektiert übernommen?

Gibt es selbst Konflikte in uns für die wir jemand anderen verantwortlich machen – obwohl er gar nicht verantwortlich ist? Aber einfach nur schwächer als der eigentliche Auslöser, gegen den wir uns nichts zu unternehmen getrauen?

Kategorisieren wir andere vorschnell und basierend auf unzureichenden Informationen, weil wir uns die Mühe längst nicht mehr machen?

Ich hoffe ganz einfach, dass ich etwas zum Nachdenken anregen konnte durch diesen Blogpost. Jeder von uns sollte glaube ich seine Vorurteile von Zeit zu Zeit hinterfragen.

 

PS: Ich würde mich freuen, wenn du deine Meinung mit uns teilst, indem du hier fleißig kommentierst :-).

Quellen: Gerrig/Zimbardo: Psychologie 
         Lin: Sozialpsychologische Vorurteilsforschung

Foto: aboutpixel.de - Rainer Sturm
Text: Martin Grünstäudl
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