Ich verkaufe Drogen …

Berufswahl

… Das sagt Timothy Ferriss, wenn er gefragt wird, was er denn so beruflich macht. Das macht er natürlich nicht wirklich. Es stört ihn halt etwas, diese Frage immer wieder gestellt zu bekommen.

Vor allem, wenn er merkt, dass es dem Gegenüber sowieso nicht interessiert, sondern die Frage nur gestellt wird, um Smalltalk zu betreiben.

Dies ist ein Beitrag für die Blogparade Und was machen Sie so beruflich? auf sinnundverstand.net. Wirklich eine nette Idee 😉 Auch hier im Blog gibt es regelmäßig Blogparaden, bei denen ihr mitmachen könnt.

Ehrlich gesagt geht mir die Frage ähnlich auf den Geist wie Timothy Ferriss. Vor allem deshalb, weil meist ja nur noch gefragt wird, was man so macht – also gar nicht mehr, was man beruflich macht. Das Ganze wird aber genau so verstanden. Und zwar von jedem, dem man diese Frage stellt.

Dies zeigt immer deutlicher, dass man gesellschaftlich nur mehr mit seiner Arbeit identifiziert wird und es die eigene Identität immer mehr ausmacht. Was machst du so? Das ist die Frage aller Fragen, auf die es in unserer Gesellschaft heutzutage am meisten ankommt. Wenn du keine Arbeit hast, bist du sowieso schon unten durch – irgendwie minderwertig so scheint es.

Es ist ja fast strafbar in den Augen der Mehrheit, wenn man keiner Arbeit nachgeht, selbst wenn man keine Arbeitslosenhilfe empfängt und trotzdem seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Irgendwie verdächtig.

Schlimm ist es auch, wenn man ewig studiert, vielleicht länger als andere vom Geld der Eltern lebt (zumindest zum Teil, denn die meisten Studenten haben sowieso Teilzeitjobs) und noch keinem angesehenen Beruf nachgeht.

Schlussendlich ist es sogar komisch, wenn man zwar wie ein Büffel schuftet, aber nicht auf den Punkt kriegen kann, was man so tut, weil es nichts Alltägliches ist. Dafür kassiert man schon mal schiefe Blicke, Nasenrümpfer und komische Bemerkungen.

Was nicht der Norm entspricht, das wird schief angeschaut. So ist das leider. Womit ich schon wieder bei meinem Lieblingsthema bin: Die meisten von uns sind nur noch Kopien und keine Originale mehr – obwohl wir ursprünglich eigentlich als Original geboren wurden. Schade drum.

Schlimm ist es besonders, wenn man von zu Hause aus arbeitet. Dann glaubt niemand, dass man überhaupt was tut. Da wird man häufig von Verwandten und Freunden um Gefälligkeiten gebeten und um Mithilfe bei diesem und jenem angefleht. Man hat ja schließlich sowieso genug Zeit. Immerhin ist man ja ständig daheim, während andere in die Arbeit fahren.

Doppelt schlimm, wenn man dann zwar entgegnet, man arbeite genau so viel wie die anderen, aber dann nicht auf den Punkt bringen kann, was denn bitte genau. Vernehme ich da einen sarkastischen Blick? Hmmm…

 

Was mache ich so?

Also Drogen verkaufe ich nicht. Auch wenn das ganz leicht durch nur drei Wörter vermittelbar wäre :-).

Hingegen schreibe ich gerade an einem Buch. Ich fahre noch hin und wieder in die Firma meines Vaters, wo ich mal Steuerberateranwärter war, bevor ich mitbekommen habe, dass das nichts für mich ist. Ich blogge wieder regelmäßig und möchte meine Blogs monetarisieren – zumindest ein bisschen. Ab März geht das nächste Semester an der Wirtschaftsuni los, wo ich Wirtschaftspädagogik studiere.

Was bin ich also jetzt? (Man beachte die Wortwahl! Das habe ich ganz spontan hingeschrieben, als ich über eine Berufsbezeichnung nachdachte. Ich habe somit die Einstellung der Gesellschaft schon verinnerlicht. Sch….)

Bin ich Autor? (Und außerdem: Wann genau ist man Autor und wann Schriftsteller? Wo ist die Grenze zwischen Fachbuch- und Sachbuchautor?)

Bin ich Blogger? (Nein ich hüpfe nicht den ganzen Tag von einer Plattform aus auf ein Luftkissen und lass mich dadurch ins Wasser befördern :-))

Bin ich Internetmarketer in spè? (Zumindest Möchtegern-Marketer :-))

Bin ich angestellter Berater? (Ach beim Vater angestellt? Ja da hast dann ja eh nicht so viel Stress oder?)

Bin ich Student? (Oje. Student in dem Alter noch? Wann arbeitest denn endlich mal was?)

Ja was denn eigentlich?

Ich bin all das und gleichzeitig nichts dergleichen. Ich bin einfach nur ICH. Meine Identität besteht schließlich auch aus Privatem – nicht nur aus Beruflichem.

Der nächste, der mir die Frage stellt, Was machst du so?, Was bist du? oder Was tust du so?, dem antworte ich wirklich, dass ich Drogen verkaufe. 😉

Außer er / sie fragt mich, was ich so beruflich mache. Dann kriegt er / sie eine sinnvolle Antwort. Vielleicht… Sofern mir bis dahin überhaupt was Sinnvolles einfällt…

 

PS: Ich würde mich freuen, wenn du deine Meinung mit uns teilst, indem du hier fleißig kommentierst :-).

Foto: aboutpixel.de - R. G. Brenner (abucas) 
Text: Martin Grünstäudl
Advertisements

21 Kommentare

Eingeordnet unter Persönliches

21 Antworten zu “Ich verkaufe Drogen …

  1. Pingback: Blogparade: Und was machen Sie so beruflich? | Sinn und Verstand Kommunikationswerkstatt

  2. Danke, danke, danke!!! 🙂

    Absolut meine eigene Erfahrung, ich selber hatte zwei Jahre lang von zu Hause gearbeitet. Naja, mehr schlecht als recht (eine andere Geschichte). Aber damals hatte ich genau das gleiche Problem. Ich wollte am liebsten vom Schreiben leben und musste das eben erst noch aufbauen. Und wenn man mich fragte, was ich mache, sagte ich eben, ich schreibe, ich arbeite im Internet. Und dann kamen eben genau diese komischen Blicke.

    Seit knapp einem Jahr arbeite ich wieder in einem Hotel an der Rezeption. Wenn man mich also jetzt fragt, sag ich einfach, ich bin Rezeptionistin. Vielleicht in gewisser Weise “feige”, aber damit können die anderen wenigstens was anfangen und sie lassen mich in Ruhe. 🙂
    An meinem “leben vom Schreiben” arbeite ich weiterhin. Es ist das einzige, was ich WIRKLICH machen will…
    Danke für den Artikel und fürs ins Worte fassen, was man so als Kreativer immer wieder erfährt.

    • Hallo Ildiko!

      Ja, wenn man vom Schreiben leben will, dann hat man es wirklich nicht leicht. Es ist ja sowieso schon schwer genug. Man geht ewig lang in Vorleistung, das heißt man schreibt und schreibt ohne zu wissen, wie es am Schluss ankommt. Ohne Feedback zwischendurch. Und wenn man dann von anderen auch nicht darin bekräftigt (oder gar belächelt) wird, dann wird`s richtig mühsam.

      Ich wünsche dir jedenfalls, dass du Erfolg hast mit dem Schreiben und irgendwann davon leben kannst! Ich glaube, wenn man nur lang genug durchhält, dann wird es was 🙂

      Liebe Grüße
      Martin

  3. Die Frage „Was machst Du so?“ verstehe ich im Unterschied zu Dir nicht als negatives „Nur die Arbeit zählt“, sondern als Reaktion auf die Patchwork-Leben, die nicht sauber in Arbeit und Hobby unterteilt werden können.
    Es gibt so oft Geschichten á la : Teilzeitjob in erlerntem Beruf, um etwas ganz anderes finanzieren zu können, das (noch) nicht genug einbringt, um davon leben zu können. Also kürzt man die Frageserie „Was machst Du beruflich? Und was ist Deine Leidenschaft?“ ein zu „Was machst Du so?“
    Ist doch ok.

    • Hallo!

      Danke für deinen Kommentar!

      Ich denke allerdings, dass ein Patchwork-Leben, bei dem Arbeit vom Hobby nicht sauber unterschieden werden kann, eher die Ausnahme denn die Regel ist. Ich mache halt immer wieder die Erfahrung nicht wirkich ernst genommen zu werden, wenn man nicht einen „normalen“ Job hat.

      Liebe Grüße
      Martin

  4. Pingback: Fast hundert Berufsbilder in der Blogparade: Und was machen Sie so beruflich? | Sinn und Verstand Kommunikationswerkstatt

  5. Hallo Martin,
    das eine Leben, das wir haben, sollte so genutzt werden, wie der es Lebende es möchte und für ihn/ sie passt :-)., finde ich.
    Was „normal“ zu Definierendes mache ich auch nicht und stelle mir gerade bildlich vor, was ein Smalltalk-Kostüm-AnzugträgerIn für ein Gesicht zeigt bei Deiner Antwort.
    Ein klar zu definierender Job „Buchhändler“, „Steuerberater“ ist ja nur klar, weil viele Menschen sich darunter etwas vorstellen können, die Bezeichnung geläufig ist. Ersteres war ich früher mal und wurde bei Nichtlesern unter „Buchhalter“ einsortiert 😉
    Wie sagte Artur Schnitzler mal so schön „lebe wild und gefährlich“! Den Grad dessen kannst Du ja selbst einstellen.

    Grüße
    Silke

    • Hallo Silke!

      Da bin ich ganz deiner Meinung. Ich denke auch, dass jeder so leben sollte wie er/sie es möchte. Nur leider versucht einen die Masse eher in die Konformität zu drängen. So ist jedenfalls meine Erfahrung. Ich versuche trotzdem das zu tun, was mir wichtig ist. Aber als „wild und gefährlich“ würde ich mein Leben nicht bezeichnen 😉

      Seitdem ich diesen Beitrag hier geschrieben habe, hat mich keiner mehr gefragt was ich so mache. Ich konnte also bislang den Spruch noch nicht loswerden. 🙂

      Liebe Grüße
      Martin

  6. Psst, Ferriss schreibt sich mit Doppel-R und Doppel-S 🙂

  7. Martin was machst du?…;)

    Auf jedenfall hast du einen astreinen Blogbeitrag geschrieben auch ich arbeite hin und wieder mal im Internet und versuche meine Bilder zu verkaufen und kenne solchen Blicken leider besser wie mir lieb ist, toller Blog übrigens ich glaube ich komme jetzt öfters

  8. Hallo Martin,

    das ist ein interessanter Gedankengang.

    Ja, die Frage „Was machst du so?“ oder „Was arbeitest du?“ ist heutzutage allgegenwärtig und ein fester Bestandteil des Smalltalks. Ich persönlich finde das auch immer schwierig zu beantworten.

    Doch da ist wohl langfristig unsere Kreativität gefragt. Denn die Leute haben ihre Konditionierungen und ihre Routine in ihren Fragen- und Smalltalk-Strategien.

    Hast du dir denn bis jetzt schon etwas Sinnvolles überlegt? Oder hast du etwa auch die „Drogen-Verkaufen-Variante“ gewählt?

    • Hallo Michel!

      Habe mich schon gefragt was los ist, weil du so plötzlich von der Bildfläche verschwunden bist. Schade, dass du deinen Blog nicht mehr weiter geführt hast..

      Hmmm… ob ich mir schon was überlegt habe?.. Sagen wir mal so: Ich arbeite daran. Dass ich nicht mehr Angestellter sein will, das weiß ich jetzt sicher. Mein Ziel ist es, irgendwann vom Schreiben leben zu können. Am liebsten würd ich mich als Autor und Blogger bezeichnen können.

      Liebe Grüße
      Martin

      • michelplaga

        Hey Martin,

        ja, ich habe meinen bisherigen Blog eingestampft. Doch das habe ich nur getan, weil ich einen anderen Blog aufbauen will. Ich arbeite gerade daran und es geht in den nächsten Tagen los.

        Ich sag mal so: Wenn du dich gerne als Autor und Blogger bezeichnen würdest, so bezeichne dich doch so.

        Du bist doch auch Blogger, oder? Oder bloggst du nur, ohne wirklich ein Blogger zu sein? Wenn ich blogge, bin ich ein Blogger. Fertig. Wenn ich Schlagzeug spiele, dann bin ich auch ein Drummer. Ich bin ja nicht erst ein richtiger Drummer, wenn ich vom „Drummen“ leben kann. Nein, ich bin ein Drummer, sobald ich ein Drummer bin, weil ich drumme, bzw. Schlagzeug spiele.

        Klar wird man sich da öfter auch verteidigen müssen, für so eine Aussage. Denn viele Leute werden der Meinung sein, dass man sich z.B. erst als Autor bezeichnen darf, wenn man auch wirklich mit dem Autor-sein Geld verdient.

        Also ich hab jetzt entschieden, dass du ab heute für mich Blogger und Autor bist. Wenn mich mal jemand nach dich fragt, dann sage ich: „Ja, der Martin, der ist Autor und Blogger.“ 😉

  9. Ich finde die Drogen Verkaufen Variante Klasse 😉 erst recht bei Leute die nachdem sie den Frage ausgesprochen haben auch schon nicht mehr zuhören und eigentlich nicht wirklich Interesse an einen Antwort haben.

  10. Ich verkaufe keine Drogen, aber ich berichte darüber in meiner Freizeit!

  11. Pingback: Welche Inhalte wünschen wir uns? | ununi.TV

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s