Warum ich weder auf Facebook noch auf Twitter bin

ÜberforderungEs ist mittlerweile fast egal, welchen Blog man im Web besucht. Jeder scheint eine Facebookseite für seinen Blog zu haben. Auch hat fast jeder einen Twitter Account und Google+ ist ebenfalls stark im Kommen.

Ich selbst bin dort nirgends vertreten. Und das obwohl fast jeder selbst ernannte Blog-Guru meint, dass man heutzutage unbedingt im Social Web aktiv sein muss, um noch Erfolg mit seinem Blog haben zu können.

Ich stelle mal die gewagte These auf, dass gerade diese Einstellung vielen im Weg steht…

Ja richtig gelesen:

Ich bin überzeugt davon, dass eine Nutzung von Facebook, Twitter und Google+ dir im Weg stehen kann.

Sofern du halt versuchst, ein richtig erfolgreicher Blogger zu werden – ein Blogger jenseits der 1.000 Besucher am Tag. Eben ein A-Blogger (Stefan hat kürzlich darüber geschrieben).

Vielleicht schockiert dich ja diese Aussage. Aber Fakt ist, dass die meisten von uns eben keine Vollzeitblogger sind. Die Zeit, die man zum Beispiel in Facebook investiert, muss also woanders eingespart werden…

Dies ist ein Beitrag für die Blogparade „Soziale Netzwerke“. Bis 12. Mai kannst du noch daran teilnehmen.
Auch hier im Blog läuft bis 10. Mai eine Blogparade: „Mein wichtigster Traffictipp für Blogger“. Auch da würde ich mich noch über weitere Teilnehmer freuen 🙂 .

 

Kosten/Nutzen von Facebook und Co.

Überleg mal kurz, wie viel Zeit du jede Woche für das Pflegen deiner Facebook-, Twitter- und Google- Accounts aufwendest. Ganz zu schweigen von weiteren Profilen wie zum Beispiel LinkedIn und Xing, wo ja viele noch zusätzlich präsent sind.

Und jetzt vergleiche mal den Aufwand mit dem Nutzen. Wie viele Besucher kommen im Schnitt jede Woche durch deine diversen Social Web Aktivitäten auf deinen Blog?

Dabei zu berücksichtigen ist, dass nicht alle Facebook- und Twitter-Besucher auf dein eigenes Engagement zurückzuführen sind. Einige Verlinkungen von Facebook, Google+ und Twitter auf deine Blogartikel hättest du auch so bekommen – auch wenn du nicht selbst dort aktiv wärst.

Doch bevor ich mir nun den Zorn vieler Leser zuziehe: Natürlich kann sich ein Engagement im Social Web durchaus für dich auszahlen. Nur solltest du hierfür aus der Masse hervorstechen.

Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass (fast) jeder Blogger dort bereits aktiv ist…

 

Charles Darwin lässt grüßen

Charles Darwin war ein englischer Naturforscher. Bekannt geworden ist er durch seine Evolutionstheorie und vor allem durch sein Buch „Über die Entstehung der Arten“. Zuerst glaubte Darwin daran, dass es eine Konstanz der Arten gäbe. Doch diese These wurde zutiefst durch seine Forschungsreise zu den Galapagosinseln erschüttert.

Dort entdeckte er, dass es auf jeder Insel andere Finken gab, obwohl sie alle von einem gemeinsamen Vorfahren abstammten. Sie unterschieden sich im Wesentlichen durch die Form und Größe ihrer Schnäbel sowie durch ihre unterschiedlichen Ernährungsweisen.

Dies brachte Darwin die Erkenntnis, dass sich eine Tierart durch eine geographische Abwanderung verändert, indem sie sich an die nunmehr vorherrschenden Umweltbedingungen anpasst.

Erst dadurch sorgten die Finken dafür, dass sie überleben konnten. Anders wäre es für sie nicht möglich gewesen. Sie wurden zu den perfekten Spezialisten für „ihre“ Insel.

Die Natur und die Tiere sind also intelligent und passen sich an die Umweltbedingungen an. Der Mensch als ein noch viel intelligenteres Lebewesen als die Finken wird sich also wohl auch perfekt an die Umweltbedingungen anpassen, oder?

Nein tut er nicht.

Er rennt lieber den Marktführern und der übrigen Konkurrenz (sprich in unserem Fall den anderen Bloggern) hinterher und kopiert alles, was diese machen.

Der Nutzen daraus: Minimal

Doch wieso bringt es nichts, andere zu kopieren und sich im Social Web zu engagieren und dort alles genau so zu machen wie die anderen?

Dazu möchte ich dir zwei Fragen stellen:

Wer war der erste Mann auf dem Mond? Richtig, es war Neil Armstrong. Und wer war der zweite? Hmmm…

Wer ist der größte Energy Drink Hersteller der Welt? Ja genau, Red Bull. Und der zweitgrößte? Ja wer…?

Natürlich gibt es auch Nischen und Dinge, wo wir den/die zweitbesten(n) kennen. Doch irgendwann ist Schluss damit. In einer Studie habe ich mal gelesen, dass wir uns maximal sieben Marken innerhalb einer Branche merken können. Mehr ist einfach nicht drin. Unser Gehirn ist also relativ einfach gestrickt.

Wenn du da nicht auffällst und dich von der Masse abheben kannst, dann ist die Sache meist hoffnungslos.

Eine Frage, die sich außerdem noch stellt: Was bringt dir schon der eine oder andere Besucher von Facebook und Co., wenn dieser auf Blogartikeln landet, die nichts Besonderes sind? Wird er wiederkommen, wenn er das, was darin steht, in hundert anderen Blogs auch nachlesen kann?

 

Auch Vilfredo Pareto hat ein Wörtchen mitzureden

Die Realität sieht leider so aus, dass es aufgrund der Fülle an Blogs im Netz schwer ist, aufzufallen. Meist behandeln wir ein Thema, dass viele andere Blogger auch behandeln. Wirkliche Nischen mit wenig bis keiner Konkurrenz sind schwer zu finden.

Das Blöde daran ist, dass die meisten davon ebenfalls auf Facebook und diversen anderen Plattformen aktiv sind.

Da denkt man sich als Blogeinsteiger natürlich: „OK, wenn alle auf Facebook sind, dann sollte ich dort auch aktiv werden. Sonst habe ich bereits einen Wettbewerbsnachteil.“

Das mag zum Teil sogar stimmen. Doch…

Ich behaupte mal, dass man die Zeit, die man dort verbringt, viel eher für andere Dinge nützen könnte. Für Dinge, die den Erfolg des eigenen Blogs deutlich mehr beeinflussen können.

Der Grund ist leicht mittels des Pareto-Prinzips zu erklären. Dieses Prinzip besagt, dass 80 Prozent der Ergebnisse durch 20 Prozent des Einsatzes/Aufwands erreicht werden können.

Aufgestellt hat diese These ein Ökonom namens Vilfredo Pareto. Dieser hat im 18. Jahrhundert beobachtet, dass der Wohlstand einer Gesellschaft sehr ungleich verteilt ist. 80 Prozent des Reichtums waren im Besitz von 20 Prozent der Bevölkerung.

Durch diverse Beobachtungen ist er sogar darauf gekommen, dass sich diese 80/20 Regel überall anwenden ließ und hohe Gültigkeit hatte (und noch immer hat). Das zu beobachtende Ungleichgewicht ist in vielen Fällen sogar noch viel größer. 90/10 bzw. sogar 95/5 sind nicht ungewöhnlich.

Die Regel lässt sich auch schön auf`s Bloggen übertragen:

Das Wichtigste beim Bloggen ist das Bloggen selbst. Es ist sozusagen die Essenz.

Meiner Meinung nach sollte man die meiste Zeit und Energie immer auf das Wichtigste fokussieren, wenn man langfristig größtmöglichen Erfolg mit einer Tätigkeit haben möchte. Das gilt natürlich auch für`s Bloggen.

Investiere deine Zeit also besser in das Schreiben von gutem Content. Oder noch besser: In das Schreiben von lächerlich gutem Content (siehe: Das Geheimnis der erfolgreichsten Blogger der Welt).

Um lächerlich guten Content schreiben zu können, sind mehrere Dinge nötig, die man sich nur dann mit der Zeit aneignen kann, wenn man nicht gleichzeitig hundert andere Dinge macht.

Du wirst wahrscheinlich nie wirklich gute Blogartikel schreiben können, wenn du jeden Tag eine Stunde für Facebook aufwendest, auf Twitter und Google+ aktiv bist und auch noch nebenbei diverse andere Profile betreust.

PS: Wenn man lächerlich guten Content schreibt – und zwar immer und immer wieder – ist es nicht mehr so schwer sich positiv von anderen abzuheben. Die Konkurrenz ist dann nämlich bei weitem nicht mehr so groß.

 

Trotzdem können Facebook und Co. nützlich sein

Die meisten bekannten und sehr erfolgreichen Blogger sind natürlich auch auf Facebook, Twitter und Google+ aktiv. Das lässt sich nicht verleugnen.

Doch meiner Meinung nach hat dies folgende Gründe:

  • Sie haben bereits gelernt, lächerlich guten Content zu schreiben – Content der für die Zielgruppe nützlich und dazu noch interessant geschrieben ist. Ihr Zeitaufwand für das Schreiben ist also bereits geringer als für einen Blogneuling oder nur leicht Fortgeschrittenen.
  • Hinter wirklich erfolgreichen Blogs – Blogs, die nicht Tausende sondern Millionen an Besuchern haben – steht meist nicht nur eine einzelne Person sondern ein ganzes Team. Jeder einzelne dieses Teams konzentriert sich auf jene Sache, die ihm/ihr am meisten liegt.
  • Die erfolgreichsten Blogger der Welt gehen im Normalfall keinem anderen Beruf mehr nach, sondern können sich tagaus tagein auf das Bloggen – und die diversen Tätigkeiten, die damit in Verbindung stehen – konzentrieren. Diesen Luxus hat man als Blogneuling im Normalfall nicht.

Und noch was: Wenn man sich den Facebook- oder Twitter-Account dieser erfolgreichen Blogger genauer ansieht, dann fällt sehr oft auf, dass diese bei weitem nicht mit ihrem Blog mithalten können (was z.B. Follower etc. betrifft).

Eines lässt sich aber nicht totschweigen: Neue Blogs, die vom Start weg Facebook und Co. zur Trafficgenerierung nutzen, haben in den ersten Monaten mehr Traffic als solche, die dies nicht tun.

Man kann also selbst bei nur mittelmäßigem Content mit Hilfe des Social Webs dafür sorgen, dass man recht passable Besucherzahlen hat. Und zwar schon nach relativ kurzer Zeit.

Von Beginn weg passable Besucherzahlen sind bei Blogs, die rein auf qualitativen Content setzen, im Normalfall nicht möglich. Doch langfristig wendet sich meist das Blatt.

Außer man schafft es vielleicht, in beiden Dingen richtig gut zu sein. Das wäre natürlich das Optimum. Ich persönlich traue mir das nicht zu. Ich bin bereits mit meinem Bestreben nützliche und interessante Beiträge zu schreiben voll ausgelastet und sehr sehr gefordert. Zumal ich ebenfalls kein Vollzeitblogger bin.

 

Mein Fazit

Wenn du ein Wunderwuzzi (typisch österreichisch für Alleskönner) bist, dann kannst du ja beides machen: Lächerlich guten Content schreiben und dazu noch wahre Horden an Facebook- und Twitter-Besuchern anlocken.

Wenn du gern im Social Web unterwegs bist und dir das Spaß macht, dann ist auch nichts dagegen einzuwenden.

Wenn du rein aus Spaß an der Freude bloggst und dabei noch etwas in Facebook und Co. aktiv sein möchtest, ebenfalls nicht.

Doch wenn dir daran gelegen ist, ein außergewöhnlich erfolgreicher Blogger zu werden, und du nicht beides gleichzeitig und vor allem gleich gut machen kannst, dann solltest du dich eher auf das Schreiben deines Contents konzentrieren. Außer du bist Vollzeitblogger oder schreibst im Team…

Ach ja: Es hat mich heute einiges an Überwindung gekostet, diesen Beitrag hier zu veröffentlichen, da ich mich ja irgendwie gegen die allgemeine Meinung stelle. Ich hoffe, dass ich damit niemandem vor den Kopf gestoßen habe. Das wäre nicht meine Absicht.

 

Wie hat dir dieser Artikel gefallen?

Schreib mir doch einen Kommentar und  verrate mir, wie dir dieser Artikel gefallen hat.

Sollte dir der Artikel zugesagt haben, dann würde ich mich nichtsdestotrotz sehr darüber freuen, wenn du ihn weiterempfiehlst – zum Beispiel auf Facebook, Twitter oder Google+. (Somit hoffe ich, dass du mich nicht dafür bestrafst, dass ich kritisch über das Social Web geschrieben habe 😉 .)

Wenn du nicht schon regelmäßiger Leser hier bist, dann würde ich mich außerdem darüber freuen, wenn du bald wieder vorbeischaust. Um keinen neuen Artikel mehr zu verpassen, könntest du zum Beispiel meinen RSS-Feed abonnieren. Oder du trägst deine E-Mail-Adresse rechts oben in der Seitenleiste ein.

Foto: Gerd Altmann/shapes:photoshopgraphics.com / pixelio.de
Text: Martin Grünstäudl
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10 Kommentare

Eingeordnet unter Erfolgreich Bloggen

10 Antworten zu “Warum ich weder auf Facebook noch auf Twitter bin

  1. Hallo Martin
    Danke für Deine auch mal etwas andere Ansicht.
    Ich bin noch ein richtiger Neuling (mein Blog http://www.zenbackpacker.com ist noch nicht mal fertig 🙂 ) aber für mich ist es wichtig eine gute Linie für meinen Blog zu finden und lese daher sehr viel auch in anderen blogs.
    Was ich an diesem Post sehr schätze ist, dass man eben auch mal „aus der Reihe tanzen“ soll!!
    Sehr spannend
    Grüsse Marco

    • Hallo Marco,

      danke für deinen Kommentar.

      Ich bin voll davon überzeugt, dass man hin und wieder „aus der Reihe tanzen“ soll. Sonst fällst du nicht auf in der Masse von Blogs. Welchen Grund hätten dann Leser, deinem Blog die Treue zu halten und nicht anderen, die schon viel länger online sind.

      Allerdings birgt es natürlich auch gewisse Risiken. Dieser Blogartikel war einer jener, die am Tag des Erscheinens am stärksten besucht wurden (vor allem von Feedabonnenten). Trotzdem wurde er bislang nicht kommentiert. Ich schätze mal, dass viele Stammleser nicht ganz einverstanden waren, mit dem, was ich geschrieben habe und deshalb nicht kommentiert haben. Aber zu diesem Thema werde ich die kommende Woche noch eine Aktion starten 🙂

      Liebe Grüße und schönen Sonntag
      Martin

  2. Ich teile deine Meinung und muss sagen, dass ich mit meinem Blog auf Facebook und Google+ mittlerweile komplett verzichte. Der Aufwand ist einfach enorm und mir persönlich macht es keinen Spaß dort ständig das Profil zu pflegen.

    Twitter allerdings finde ich einfach klasse.

    • Hallo Dmitri,

      ich veranstalte gerade eine Blogparade zu diesem Thema: https://1001erfolgsgeheimnisse.com/2013/05/13/lohnen-sich-facebook-und-twitter/

      Da ich nämlich selbst nicht in den sozialen Netzwerken aktiv bin, hat mich mal interessiert, was es überhaupt bringt, sich dort zu engagieren. Die Meinungen gehen teils stark auseinander. Bei den meisten zeigt sich, dass zwar ein Nutzen da ist, dieser jedoch eher mäßig im Verhältnis zum Aufwand ausfällt.

      Vielleicht wär die Blogparade ja auch was für dich.. wäre gespannt auf deine Einschätzung – vor allem warum du Twitter einfach klasse findest 😉

      Liebe Grüße
      Martin

      • Hallo Martin,

        ich werde auf jeden Fall mitmachen und über meine Erfahung mit Facebook, Google+ und Twitter berichten. Vielen Dank!

        Beste Grüße
        Dmitri

  3. Pingback: Blogparade: Lohnen sich Facebook, Twitter & Co. überhaupt? | Kleckerlabor

  4. Pingback: Lohnen sich Twitter, Xing, Facebook und Co? | Ebookautorin.de

  5. Pingback: social media marketing | The Richhiker's Guide

  6. Hallo Martin, einer der wenigen Artikel über die „Social-Media-Lüge“ im Netz, gefällt mir! Ich lache mich immer halb kaputt, wenn ich Blogs mit 5 Artikeln sehe die schon 20 Share-Buttons und Profile für alle Plattformen bereitstellen. Auch die These das sich beispielsweise Facebook-Likes positiv aufs Ranking auswirken, wurde von Google selbst, wegen der einfachen Manipulation, revidiert. Selbst bin ich auf zwei Plattformen stark aktiv, jedoch nicht wegen des Blogtraffics.

    • Hallo Vroni,

      ganz so eng wie in diesem Artikel geschrieben, sehe ich es nun nicht mehr. Mittlerweile habe ich doch einen Twitter und einen Google+ Account. Leider teilen viele erst dann Beiträge, wenn man selbst auch im Social Web aktiv ist. Ist zwar schade, es ist aber wohl so.

      So richtig überzeugt bin ich aber nach wie vor nicht und denke immer noch, dass die Bloginhalte das Wichtigste sind.

      Liebe Grüße
      Martin

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