Eine Studie zur Aufmerksamkeit: das Gorilla-Experiment

Der Hörsaal an der University of Illinois ist voll mit Studenten als der Dozent den Hörsaal betritt und meint, er habe eine kurze Aufgabe für alle Anwesenden.

Er zeige ihnen nun ein kurzes Video von nicht einmal 1 ½ Minuten Dauer. Darauf zu sehen sind zwei Teams von jeweils 3 Personen, die sich einen Basketball zuwerfen. Das eine Team ist weiß gekleidet und das andere schwarz.

Die Studenten sollen zählen, wie oft sich das weiße bzw. schwarze Team den Ball zuwirft. Hierzu teilt er den Hörsaal in zwei Gruppen. Die eine Hälfte der Studenten soll das weiße Team beobachten und zählen wie oft sie sich den Ball zuwerfen.  Die andere Gruppe soll dasselbe beim schwarzen Team machen und ebenfalls mitzählen, wie oft sie sich untereinander den Ball zugeworfen haben.

Gorialla-Experiment

Bild anklicken um Video abzuspielen

Der Dozent startet nun das Video und die Studenten fokussieren ihre Aufmerksamkeit auf die Aufgabe.

Da betritt nach etwa einer halben Minute eine Person mit schwarzem Gorillakostüm den Raum und geht mitten durch die beiden Teams hindurch. In der Mitte hält er sogar an und klopft sich mit beiden Händen auf die Brust.

Ein paar Sekunden nachdem der Gorilla wieder verschwunden ist, hört das Video auf und der Dozent fragt die Studenten, wie oft ihr Team den Ball gefangen hat. Die meisten liegen richtig und können die korrekte Anzahl an gefangenen Bällen wiedergeben.

Doch dann fragt der Dozent auf einmal, wer denn den Gorilla gesehen habe?

Viele Studenten sind ratlos. Welcher Gorilla? Da war doch gar kein Gorilla zu sehen!

In der Tat hatte mehr als die Hälfte der Studenten den Gorilla nicht bemerkt.


Die Ergebnisse des Gorilla-Experiments

Die beiden Professoren, die dieses Gorilla-Experiment im Jahr 1999 durchführten – Simons und Chabris – berichteten, dass nur etwa 8 Prozent (!!) jener Probanden den schwarzen Gorilla gesehen haben, welche das weiße Team beobachten sollten.

Jene Studenten, die das schwarze Team beobachten sollten, haben hingegen den Gorilla in 67 Prozent der Fälle entdeckt.

Wurde das Video hergezeigt, ohne dass Probanden angewiesen wurden, irgendein Team zu beobachten und die Ballwürfe zu zählen, dann bemerkten hingegen alle Zuseher den Gorilla.

Diese Ergebnisse zeigen, dass jene Probanden, die das weiße Team beobachten sollten, so damit beschäftigt waren, dass ihnen ein Ereignis mit einem schwarzen Objekt überhaupt nicht aufgefallen ist. Sie haben es vollends aus ihrer Aufmerksamkeit ausgeklammert.


Was wir daraus lernen können …

Wir können unsere Aufmerksamkeit derart fokussiert auf eine Aufgabe lenken, dass wir alles andere um uns herum ausblenden. In der Psychologie spricht man von selektiver Wahrnehmung.

Dies ist meines Erachtens eine ganz besondere Stärke von uns Menschen. Ohne diese bedingungslose Aufmerksamkeit für eine Sache könnten wir nämlich keine großartigen Leistungen erbringen. Durch diese Fokussierung der Aufmerksamkeit lagen auch die Studenten beim Zählen der Würfe fast durchgängig richtig.

Und noch viel wichtiger: Würden wir nicht ständig selektieren, dann wären wir noch nicht einmal lebensfähig!

Denn überleg mal: Es wirken in jeder Sekunde unzählige Reize auf uns ein. Genau in diesem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, könnte ich visuell 100 verschiedene Dinge in meinem Büro wahrnehmen (kein Wunder bei meiner Schreibtisch-„Organisation“ 😉 ). Außerdem könnte ich das Geräusch des Computers wahrnehmen oder das Geräusch der ständig vorbeifahrenden Autos. Zudem könnte ich spüren, wie sich mein Körper gerade anfühlt – ob ich entspannt oder angespannt bin etc.

Jetzt stell dir mal vor, ich müsste all dies gleichzeitig wahrnehmen und verarbeiten! Das würde mich in kürzester Zeit verrückt machen. Gott sei Dank gibt es also die selektive Wahrnehmung!

Gleichzeitig zeigt diese Reizüberflutung auch, dass es für unseren Erfolg im Leben ganz entscheidend darauf ankommt, auf was wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Ich kann also meine volle Aufmerksamkeit dem Schreiben dieses Artikels widmen und meinen Fokus erst aufgeben, wenn er zu Ende geschrieben ist und ich mit dem Resultat zufrieden bin.

Keine schlechte Idee, denn dies bewirkt, dass ich ihn in Windeseile fertiggeschrieben habe und somit effizient arbeite.

Ich könnte aber auch meine Aufmerksamkeit ständig teilen und alle 2 Minuten auf das Handy blicken, ob eine SMS eingegangen ist und alle 5 Minuten in Outlook nachsehen, ob ich denn wieder eine neue Mail bekommen habe. Dies würde wahrscheinlich bewirken, dass ich viel länger als nötig für das Schreiben dieses Artikels brauche. Insofern ist es eine gute Idee, all diese Ablenkungen zu vermeiden und z.B. das Handy während produktiver Arbeit abzuschalten.

Das Gorilla-Experiment stellt aber noch etwas in Frage, nämlich die Fähigkeit zum Multitasking. Gemeinhin wird ja argumentiert, dass Frauen im Gegensatz zu Männern zu Multitasking fähig sind. Da aber die weiblichen Studenten bei dieser Studie nicht wirklich besser abgeschnitten haben, stellt dies Multitasking wohl generell in Frage.

Wie steht`s mit dir? Bist du beim Arbeiten voll bei der Sache und somit effizient am Werk? Oder lässt du dich ständig von irgendetwas ablenken? Denk mal drüber nach …


Literaturquelle:

Buch: Kognitive Psychologie, 7. Auflage (2013)
Zitierte Seite(n): S. 63
Autoren: John R. Anderson, Joachim Funke u.a. (2013), S. 63
Verlag: Springer


P.S.

Dies ist ein Beitrag im Rahmen der Artikelserie „Faszination Psychologie“ mit wichtigen Erkenntnissen aus der psychologischen Forschung.

Letzte Woche vorgestellt: Das Milgram Experiment und unser Gehorsam gegenüber Autoritäten


Über den Autor

Mein Name ist Martin Grünstäudl und ich blogge hier mit großer Begeisterung.

Wie es der Name des Blogs vermuten lässt, geht es um das Thema Erfolg. Vor allem schreibe ich über das Setzen und Erreichen von Zielen und über den Aufbau von mehr Selbstvertrauen. Auch Themen wie erfolgreiches Bloggen und die Erzielung von passivem Einkommen kommen nicht zu kurz.

Du findest mich auch auf Google+ und auf Twitter.

Advertisements

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Psychologische Forschung

Eine Antwort zu “Eine Studie zur Aufmerksamkeit: das Gorilla-Experiment

  1. Hallo Martin,
    ein interessantes Experiment. Auf die selektive Wahrnehmung bin ich auch mal in einem Blogartikel eingegangen, aber nicht so ausführlich wie Du.
    http://www.tipptrick.com/2013/09/23/claudias-praktischer-ratgeber-zu-aktuellen-themen/
    Viele Grüße
    Claudia

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s