Selbsterfüllende Prophezeiungen: Wie Erwartungen an Ergebnisse die Ergebnisse selbst beeinflussen

BücherErwartungen spielen für uns Menschen eine große Rolle. Wir erwarten von einem Kellner ein anderes Verhalten als zum Beispiel von einer Polizistin.

Diese Erwartungshaltung führt meist dazu, dass sich die betreffenden Personen gemäß ihrer Rolle entsprechend verhalten. Tun sie dies nicht, reagieren wir enttäuscht, wütend oder fühlen uns vor den Kopf gestoßen.

Dieser Umstand zeigt, dass Erwartungen nicht nur Einfluss auf uns selbst haben können, sondern auch, dass wir damit andere Menschen in nicht unerheblichem Ausmaß beeinflussen können. Somit können Erwartungen nicht nur die Art der Interpretation von Erfahrungen beeinflussen, sondern haben obendrein noch Einfluss auf die Realität selbst, indem sie diese nicht unwesentlich mitformen.

Oft genug kommt es somit zur so genannten selbsterfüllenden Prophezeiung, wie Experimente des Psychologen Robert Rosenthal aus den 60er Jahren eindrucksvoll gezeigt haben. Dieser Effekt wird in der Literatur meist als Rosenthal- bzw. Pygmalioneffekt bezeichnet:

Unter selbsterfüllender Prophezeiung versteht man die Vorhersage eines zukünftigen Verhaltens oder Ereignisses, welche das Verhalten der beteiligten Personen derart verändern, dass diese das von ihnen Erwartete tatsächlich produzieren. Hätte die Vorhersage hingegen nicht stattgefunden, dann wäre ein davon abweichendes Verhalten entstanden bzw. ein anderes Ereignis eingetreten.


Der Rosenthal- oder Pygmalioneffekt

Experiment #1

Rosenthal untersuchte im Jahre 1965 verschiedene Gruppen von Schülern einer Grundschule. Ihren Lehrern wurde gesagt, dass manche ihrer Schüler besonders intelligent seien und somit während dieses Jahres außergewöhnliche schulische Leistungen zeigen würden.

Von den anderen Schülern allerdings wurde behauptet, dass sie eine durchschnittliche bzw. sogar unterdurchschnittliche Intelligenz aufwiesen und somit wahrscheinlich auch entsprechend schlechtere Leistungen in der Schule zeigen würden.

In Wahrheit wussten die Forscher natürlich keineswegs, welche der Schüler intelligent waren und ein großes Potential besaßen. Die Schüler wurden ganz einfach zufällig von den Forschern als besonders intelligent, oder auch als durchschnittlich bzw. unterdurchschnittlich intelligent eingeteilt.

Obwohl diese Zuordnung zufällig vonstatten ging, zeigten sich am Ende des Schuljahres dennoch signifikante Unterschiede in den Leistungen der Schüler – und sogar in den gemessenen Intelligenzniveaus!

Fast alle der als hochintelligent klassifizierten Schüler hatten um mindestens 10 IQ-Punkte mehr als die übrigen Schüler. Etwa ein Drittel der Schüler hatte im Schnitt sogar 22 IQ-Punkte mehr als der Rest. Tatsächlich entwickelten sich die vermeintlich Hochintelligenten somit besser als alle anderen getesteten Schüler.

Robert Rosenthal hatte auch einige Erklärungen dafür parat, warum es nach nur einem Schuljahr zu solch eklatanten Unterschieden kam. Unter anderem stellten die Lehrer nämlich höhere Anforderungen an die vermeintlich Hochintelligenten. Zudem schufen sie unbewusst mehr Möglichkeiten zur Beteiligung am Unterricht und sie gaben unterschiedliche Rückmeldungen was Lob und Kritik betraf. Dies alles wirkte sich dann auf die Leistungen und auch auf die Intelligenzniveaus der Schüler aus.

Experiment #2

In einem anderen Experiment wählte Rosenthal Psychologiestudenten aus und sagte ihnen, dass manche Ratten in seinem Labor besonders lernfähig seien. Andere wiederum seien besonders dumm.

Danach wurden die Ratten per Zufall den Psychologiestudenten zugeteilt. Manche glaubten nun also, sie hätten eine kluge Ratte erwischt. Andere wiederum glaubten, sie hätten eine dumme Ratte zum Trainieren bekommen.

Jeder der Studenten hatte nämlich die Aufgabe, diese Ratten zu trainieren, damit diese den richtigen Ausgang in einem Labyrinth möglichst schnell finden.

Und es kam wie es kommen musste: Die vermeintlich klugen Ratten schnitten an jedem der Versuchstage besser ab als die „dummen“ Ratten. Dieser Effekt verstärkte sich sogar mit zunehmender Dauer des Experiments.

Was die Psychologiestudenten natürlich nicht wussten: Die Ratten wurden völlig zufällig klassifiziert. Es gab also keine besonders klugen oder dummen Ratten. Sie glaubten es lediglich.


Der Einfluss des Namens auf schulische Leistungen

Seit einiger Zeit weiß man sogar, dass selbst Namen Einfluss auf die Leistungen (beispielsweise in der Schule) haben können.

Unter anderem bestätigt eine Studie der Universität Oldenburg, dass sich Eltern genau darüber Gedanken machen sollten, welche Namen sie ihrem Nachwuchs geben. Auf Namen wie Kevin, Justin, Jacqueline und Chantal sollte man deshalb nach Möglichkeit verzichten.

Im Rahmen der Studie wurden nämlich Grundschullehrer danach gefragt, welche Vornamen bei ihnen Assoziationen zu Verhaltensauffälligkeiten in der Schule hervorrufen. Der Name Kevin wurde hierbei in 54,4 Prozent der Fälle genannt.

Außerdem wurden die Grundschullehrer gefragt, welche Namen sie mit „leistungsschwach“ assoziieren.  Hier schnitt ebenfalls Kevin (84,4 %) bei den Burschen und Mandy (80,6 %) bei den Mädchen am schlechtesten ab.

Dieselbe Frage wurde natürlich auch in Hinblick auf „leistungsstark“ gestellt. Hierbei zeigt sich, dass der Name Jakob (75,8 %) bei den Burschen und Hannah (82,2 %) bei den Mädchen besonders oft damit in Verbindung gesetzt wird.

Aufgrund der Forschungen von Robert Rosenthal tun Eltern gut daran, an diese Studie zu denken, wenn sie ihrem Kind zum Beispiel den Namen Kevin oder Mandy geben wollen. Es würde mich nämlich nicht wundern, wenn diese Erwartungen der Lehrer großen Einfluss auf die Behandlung der Schüler und damit auf die Leistungen in der Schule und auf die Entwicklung generell haben.

Es gibt keine Objektivität auf dieser Welt. Auch nicht (oder schon gar nicht?) in der Schule.


Literaturquellen:

Psychologie

Buch: Psychologie (2008), S. 641 f
Autoren: Richard J. Gerrig & Philip G. Zimbardo

Webseiten: stangl-taller.at & vorname.com


P.S.

Dies ist ein Beitrag im Rahmen der Artikelserie mit wichtigen Experimenten der Psychologie.


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Über den Autor

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Psychologische Forschung

3 Antworten zu “Selbsterfüllende Prophezeiungen: Wie Erwartungen an Ergebnisse die Ergebnisse selbst beeinflussen

  1. Pingback: Selbsterfüllende Prophezeiungen: Wie Erwartungen an Ergebnisse die Ergebnisse selbst beeinflussen | L e b e n s r a d w e g

  2. Hallo Martin,
    ein toller Artikel. Das stimmt, wenn man Erwartungen hat, beeinflusst man auch das Ergebnis. Und mit seinem eigenen Verhalten beeinflusst man auch das Verhalten seines Gegenübers.
    Viele Grüße
    Claudia

  3. Da sprichst du ein wichtiges Thema an, Martin. Erwartungen sind sehr mächtig!
    Man kann das ganze auch auf die Erwartungen an sich selbst und sein Leben betrachten. Wer ständig gute Dinge erwartet, wird diese eher in seinem Leben wiederfinden als jemand, der jeden Tag nur das Schlimmste erwartet.

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