Ich weiß, dass ich nichts weiß – und das ist gut so …

Wissen„Ich weiß, dass ich nichts weiß“ ist ein Zitat, das dem griechischen Philosophen Sokrates zugeschrieben wird. Er wollte damit aussagen, dass wir Menschen nur einen sehr beschränkten Blick auf die Realität haben und somit jederzeit damit rechnen müssen, dass das, was wir für wahr halten, später revidiert wird. Deshalb rät er uns, alles in Frage zu stellen und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.

Doch mal ehrlich: Wenn du die Menschen um dich herum beobachtest – und ihnen vor allen Dingen beim Reden zuhörst – dann könnte man glauben, dass jeder von ihnen die Wahrheit gepachtet hat. Fast jeder glaubt, die Welt sei genauso, wie er sie sieht und jeder müsse nach den eigenen (also seinen oder ihren) Maßstäben leben um als „erfolgreich“ gelten zu können und angesehen zu sein.


Meine Sicht hat sich gewandelt …

Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich früher natürlich ebenso geglaubt, zu wissen wie der Hase läuft. Und wenn jemand komplett gegensätzlicher Meinung mit mir ist, dann ertappe ich mich manchmal immer noch, meinem Gegenüber meine Meinung aufzwingen zu wollen, weil ja scheinbar nur diese „wahr“ sein kann.

Doch vor allem wieder in den letzten zwei Wochen habe ich realisiert, dass ich fast nichts weiß. Mein Wissen von dieser Welt deckt bei weitem nicht mal ein Promille desjenigen Wissensbestandes ab, von dem wir derzeit (es wird ja nach wie vor immer mehr) die Möglichkeit hätten, es zu erwerben.

Bewusst wurde mir das dadurch, da ich eines jener 4 Dinge realisiert habe, welche ich bei der Teilnahme an meiner eigenen BlogparadeWas willst du in deinem Leben unbedingt noch alles machen?“ angeführt habe umsetzen zu wollen. Es handelt sich dabei um Punkt 3: Ich hatte mir vor gut einem Jahr das Ziel gesetzt, mit dem Studium der Psychologie anzufangen, da ich mitbekommen hatte, dass mich diese Wissenschaft einfach mehr interessiert als alles andere.

Gesagt getan: Am 2. September bin ich zur Aufnahmeprüfung angetreten und habe diese auch bestanden. Und somit bin ich vor zwei Wochen zum ersten Mal im Hörsaal gesessen und habe meiner ersten Vorlesung in Psychologie gelauscht. Und nicht nur das: Im Rahmen des Erweiterungscurriculums kann man auch Vorlesungen anderer Studienrichtungen besuchen, weshalb ich mich kurzerhand in eine Geschichtsvorlesung gesetzt habe.

Und da wurde mir schlagartig bewusst, was ich alles nicht weiß von dieser Welt. Bis dahin war ich mir noch nicht mal so richtig bewusst, was man alles wissen kann. Allein die Uni Wien (an der ich studiere) hat über 150 Studienrichtungen im Programm. Darunter sind Studien wie Ägyptologie, Paläobiologie, Orientalistik, Numismatik und Meteorologie.

Wenn man für alle diese Studienrichtungen allein den Bachelor machen möchte, dann würde man wohl um die 500 Jahre dafür brauchen – und man wüsste dann im jeweiligen Fach trotzdem nur einen Bruchteil dessen, was es eigentlich darüber zu wissen gäbe. Denn selbst die Doktorwürde bedeutet noch lange nicht, dass man alles weiß über ein bestimmtes Fach.

Und es kommt noch schlimmer: Vor allem in den Sozialwissenschaften (zu der ja auch die Psychologie zu zählen ist) ist eine Wahrheit immer nur provisorisch. Sie kann jederzeit durch neue Beweise revidiert werden. Manche finden diesen Umstand vielleicht entmutigend – ich finde ihn faszinierend. Es zeigt einmal mehr, dass es DIE Wahrheit nicht gibt.


11 Millionen Sinneseindrücke pro Sekunde …

Noch bewusster wird einem die eigene Unzulänglichkeit, wenn man sich mal anschaut, wie viele Sinneseindrücke tagtäglich auf einen niederprasseln – und wie wenig davon man de facto verarbeiten kann.

Es heißt, dass pro Sekunde etwa 11 Millionen Bits an Informationen auf uns einprasseln (ein Bit ist gleichzusetzen mit einem Sinneseindruck). Das Bewusstsein schafft es gerade einmal ein paar Dutzend davon bewusst wahrzunehmen. Gemeinhin spricht man meist von 40 Sinneseindrücken, die unser Gehirn verarbeiten kann.

Jetzt rechne dir mal aus, wie viele das in Prozent sind. Ich kann dir sagen wie viel: Es sind sage und schreibe 0,00036 Prozent!

Oder anders ausgedrückt: Für 11 Millionen Sinneseindrücke – die wie gesagt pro Sekunde auf uns einprasseln – braucht unser Gehirn gut 76 Stunden um diese zu verarbeiten.

Für einen Tag an Sinneseindrücken bräuchte unser Gehirn übrigens 753 Jahre um diese zu verarbeiten – ein Ding der Unmöglichkeit also.


Warum du dich manchmal selbst hinterfragen solltest

Ich realisiere also immer mehr, dass ich nur sehr wenig weiß. Umso härter ist es dann auf Menschen zu treffen, die wahrscheinlich noch weniger wissen, doch glauben dich belehren zu müssen, da sie von sich glauben, die Weisheit intravenös eingeflößt bekommen zu haben. (Mir passiert das regelmäßig bei der lieben Verwandtschaft)

Doch wenn du an Sokrates´ Spruch „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ denkst, dann wird dir klar, dass die anderen auch nichts wissen. Und dann brauchst du dich auch nicht – so wie vielleicht bisher – von ihnen beeinflussen zu lassen.

Denn das ist der Punkt: Ich finde, man sollte sein persönliches Denken und Handeln immer wieder einer Überprüfung unterziehen. Vor allem sollte man sich dann und wann fragen, ob man nach seinen eigenen Vorstellungen lebt oder ob man sich zu sehr an die Erwartungen anderer anpasst – jene die glauben, alles zu wissen, obwohl sie es genauso wenig tun wie du selbst.

Ist meine eigene Lebensform die richtige? Habe ich mich bisher zu sehr verstellt? Das sind alles Fragen, die wir uns meiner Meinung nach regelmäßig stellen sollten. Regelmäßig auch deshalb, weil wir uns und unsere Einstellung ja auch im Zeitverlauf verändern. Wir bleiben ja auch nicht immer dieselben, sondern entwickeln uns ständig weiter.

Zudem wird es vielleicht Zeit, seine eigenen Vorurteile unter die Lupe zu nehmen und innezuhalten, wenn man wieder einmal eine Person oder ein Objekt vorschnell aburteilt. Unter welcher Voraussetzung hat ein Urteil seine Gültigkeit? Und wann nicht?

Wir leben zwar in einer schnelllebigen Zeit, doch das sollte uns nicht daran hindern, von Zeit zu Zeit innezuhalten und uns selbst zu hinterfragen.

Ach ja: Ich habe in der Überschrift geschrieben, dass es gut ist, wenn man weiß, dass man nichts weiß. Ich glaube, dass schon viel gewonnen ist, wenn man sich dessen bewusst ist. Den meisten Erdenbürgern ist das nämlich nicht bewusst. Und dann gibt es vielleicht auch keine 80 Millionen (in Deutschland) bzw. 8 Millionen (in Österreich) Fußballtrainer mehr 😉


Über den Autor

Hallo! Ich heiße Martin Grünstäudl, ich bin aus Österreich und ein leidenschaftlicher Blogger.

Letzteres mag dir vielleicht komisch anmuten, da ich hier nur mehr selten etwas veröffentliche. Doch es ist nicht mein einziger Blog: Mein Hauptblog ist unter der Adresse http://kampfkunstblog.com  zu finden. Dort blogge ich über Themen wie Selbstverteidigung und Kampfkunst.

Außerdem findest du mich auf Google+, Facebook und Youtube.

Foto: pixelio.de – Wilhelmine Wulff

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Ich weiß, dass ich nichts weiß – und das ist gut so …

  1. Es ist schon erschreckend, wenn man so bedenkt, wie wenig man weiß. Diese Erfahrung mache ich diese Tage auch gerade. Und damit, dass man sich vielleicht an eine „Wahrheit“ klammert, würde man vielleicht eine oder mehrere andere wertvolle Erfahrungen verpassen. Wenn ich so drüber nachdenke, finde ich das wirklich schade. Denn vielleicht gerade diese Erfahrung würde einem ein (Quantum-)Schritt auf seinem Weg weiterbringen.

    Finde ich übrigens super, dass du jetzt zu studieren begonnen hast. Und wie du ja selbst gemerkt hast, man lernt nie aus 😉

  2. Steffen

    Servus, hab grad deinen Artikel mit dem Ausspruch von Sokrates gefunden und mir gedacht, dass es vielleicht wichtig wäre, eine wichtige Verbesserung vorzuschlagen, damit die Leser nicht einen falschen Eindruck von den Dingen bekommen. So, na dann mal ran an den Speck:
    Der Ausspruch basiert meinem Wissen nach auf einem Übersetzungsfehler und das s am nichts ist zuviel. Demnach müsste es heissen: „Ich weiß, das ich nicht weiß.“ und bedeutet im ursprünglichen Kontext, dass das was ich weiß im Verhältnis zu dem, was es zu wissen gibt, verschwindend wenig ist. Aber es bedeutet nicht, das ich nichts weiß, was ja eine Herabwürdigung auch des Wenigen wäre, das ich weiß. Oder anders gesagt, wer bin ich denn schon, wenn ich nichts weiß. Also: Es geht um das Bewusstsein, dass es wohl für uns unzählbar vieles gibt, das wir nicht wissen, aber es heisst nicht, das wir gar nichts wissen.
    Schöne Grüße Steffen

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